EU-Steuerregeln: Zeigen Wirkung – sind aber hochkomplex
Eine gemeinsame Studie des Leibniz-Zentrum für EuropäischeWirtschaftsforschung (ZEW), der Universität Mannheim sowie Ernst & Young zunationalen Spielräumen bei Anti-Steuervermeidungsregeln zeigt: DieEU-Steuerregeln zeigen Wirkung – sind aber sehr komplex.
Die Maßnahmen zur Bekämpfung von Steuervermeidung in der EUwurden in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet. Die Studie zeigt auf,dass sich die nationalen Regelungen – trotz gemeinsamer Mindeststandardsdeutlich in ihrer Ausgestaltung und Strenge unterscheiden.
"Viele Mitgliedstaaten gehen tatsächlich über dieEU-Mindestvorgaben hinaus. Das ist sicherlich gut gemeint und kann auchSteuervermeidung erschweren, führt aber zu großen Überschneidungen,Doppelregulierungen und insgesamt mehr Bürokratie", so Christoph Spengel,Professor für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre an der Universität Mannheim.Sophia Wickel, Wissenschaftlerin im ZEW-Forschungsbereich "Unternehmensbesteuerungund Öffentliche Finanzwirtschaft", ergänzt: "Die EU hat ein dichtesNetz an Maßnahmen gegen aggressive Steuerplanung geknüpft. In der Praxis führtdie Vielfalt nationaler Ausgestaltungen jedoch zu erheblicher Komplexität."
Die Analyse zeigt, dass die EU-Mitgliedstaaten die Vorgaben derAnti-Tax Avoidance Directive (ATAD) zwar flächendeckend umgesetzt haben, ihrekonkrete Ausgestaltung jedoch erheblich variiert. Dies betreffe insbesonderedie Hinzurechnungsbesteuerung, Zinsschrankenregelungen sowie Ausnahmen undSchwellenwerte. Dadurch entsteht laut ZEW eine zunehmende regulatorischeFragmentierung innerhalb des EU-Binnenmarkts. Für international tätigeUnternehmen erhöhten sich dadurch die Rechtsunsicherheit und der administrativeAufwand erheblich. In der Folge stelle sich die Frage, ob die bestehendeVielfalt an Regelungen noch im Einklang mit dem Ziel eines möglichsteinheitlichen europäischen Steuerrahmens steht.
Zudem überschneide sich die globale Mindeststeuer in vielenFällen mit bestehenden ATAD-Maßnahmen und nationalenAnti-Steuervermeidungsregeln. Diese sei als ein weiteres zentrales Instrumentzur Bekämpfung von Gewinnverlagerungen eingeführt worden, das vor allemniedrige effektive Steuersätze adressiert. Insbesondere in Ländern mit einerbereits sehr umfassenden Gesetzgebung könne es dadurch zu parallelen odermehrfachen Belastungen desselben Sachverhalts kommen.
Vor diesem Hintergrund kommt die Studie zu dem Schluss, dassdie EU die globale Mindeststeuer wieder aufheben und ihren Fokus auf einekonsolidierte Weiterentwicklung der ATAD sowie auf koordinierte nationaleMaßnahmen legen sollte.
Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, PM vom19.02.2026