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Flussbad im Spreekanal ab 2035

Bund der Steuerzahler Berlin e. V. / Meldungen 05.03.2020

Eine Utopie wird baden gehen

Der Berliner Senat hat im Dezember 2019 das Stadtumbaugebiet „Umfeld Spreekanal“ beschlossen. In den Medien war in dem Zusammenhang hauptsächlich über die geplante Ufertreppe vor dem Humboldt-Forum berichtet worden. Zu dem Projekt gehört aber auch das Mega-Projekt eines Flussbades. Obwohl es die Idee seit über 20 Jahren gibt, tauchten zum Jahreswechsel erstmals Zahlen zu den geschätzten Kosten auf. Der Bund der Steuerzahler befürchtet Schlimmes, denn das Projekt hat utopische Ausmaße.

Der Bund und das Land Berlin wollen knapp 6,5 Millionen Euro für den Bau einer Freitreppe am Ufer direkt vor dem Humboldt-Forum bereitstellen. Das hat der Senat im Dezember 2019 mit dem Stadtumbauprojekt „Umfeld Spreekanal“ beschlossen. Die Ufertreppe ist allerdings erst der Auftakt zu einem gewaltigen Umbauprojekt, mit dem der gesamte Bereich des 1,9 Kilometer langen Spreekanals neu gestaltet werden soll.

Vom Zulauf im Osten auf Höhe des Märkischen Museums soll bis zur Gertraudenbrücke zunächst ein naturnaher Wasserlauf mit einer idyllischen Auenlandschaft angelegt werden. Daran schließt sich dann entlang der Friedrichsgracht ein 300 Meter langer Abschnitt mit einem biologischen Filter an. In diesem soll das mit Fäkalien belastete Spreewasser auf Badewasserqualität gereinigt werden.

Die schieren Ausmaße dieses Bauwerks lassen den Bund der Steuerzahler allerdings aufhorchen. So müsste der Spreekanal über einen längeren Zeitraum trocken gelegt werden. Zur Sicherung der bestehenden Böschungen sollen auf einer Länge von 300 Metern auf beiden Seiten neue Uferwände eingesetzt werden.

Dann ist geplant, den Grund des Kanals auszubaggern und auf einer Länge von 300 Metern und einer Breite von 18 Metern einen halben Meter tief zu betonieren. Auf dieser Fläche soll dann ein sogenannter Düker aus Betonfertigteilen erreichtet werden, der im Kanal wie eine Art doppelter Boden funktioniert. Oben auf dem Düker wird der Bio-Wasserfilter aus Kies und Schilf aufgebracht.

Damit das Bauwerk bei Starkregen nicht wie ein Staudamm wirkt und sich die Fäkalienbrühe aus der überquellenden Mischwasserkanalisation nicht oben über den Filter ergießt, öffnen sich dann eine Etage tiefer bei Bedarf Klappen und leiten das Spreewasser unter dem Filter durch. Bei schönem Wetter sind die Klappen des doppelten Bodes geschlossen, so dass man in dem folgenden Kanalabschnitt auf einer Länge von über 800 Metern bis zum Bodemuseum in dem biogefilterten Abwasser schwimmen kann.

Kritiker des Projektes bezweifeln indes die technische Wirksamkeit des Biofilters und stellen die Frage, warum die Mittel nicht besser für die Beseitigung der Fäkalienbelastung an ihrer Quelle eingesetzt werden. Bedenken werden auch unter Denkmalschutzgesichtspunkten geäußert. Die angrenzende Museumsinsel ist als UNESCO-Welterbestätte in seiner jetzigen Form ein einzigartiges kulturelles und städtebauliches Denkmalensemble.

Der Senat prognostizierte jetzt erstmals die Gesamtkosten für das gesamte Stadtumbauprojekt mit 77 Millionen Euro. Angesichts der Komplexität und langen Laufzeit des Vorhabens befürchtet der Bund der Steuerzahler, dass auch dieses Projekt einen ähnlichen Verlauf nehmen könnte, wie die Staatsoper Unter den Linden.

Angst davor, mit dem Projekt baden zu gehen, müssen die aktuell Verantwortlichen in Senat und Abgeordnetenhaus allerdings nicht haben. In der Abgeordnetenhausdrucksache wird von einem Umsetzungszeitraum von 15 Jahren ausgegangen. Bis die Berliner dann wirklich am Humboldt-Forum in die Fluten springen dürfen, könnte also noch einiges an Wasser die Spree herabgeflossen sein.

 

Der Bund der Steuerzahler meint:

Statt für eine Utopie sollten die Mittel besser für die Beseitigung des Sanierungsrückstaus bei den Berliner Bäderbetrieben verwendet werden, der 2019 mit 170 Millionen Euro beziffert wurde. Dem Schul- und Vereinsschwimmen wäre so mehr gedient.

 

Bildquelle: cc Flussbad Berlin e.V., realities:united

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