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Digitale Impfzertifikate teurer als nötig

Top News 09.06.2021

Digital-Rückstand rächt sich in der Pandemie

Der Start des elektronischen Corona-Impfausweises rückt näher. Das ist eine gute Nachricht, entfallen doch für vollständig geimpfte Personen eine Reihe der bestehenden Einschränkungen. Die Impfzentren sollen noch in dieser Woche mit dem Ausstellen elektronischer Impfzertifikate beginnen. Auch die niedergelassenen Ärzte, Betriebsärzte und Apotheken können künftig elektronische Zertifikate für die erhaltenen Corona-Impfungen ausstellen. Die Apotheken wollen damit am kommenden Montag loslegen.

56 Mio. erfolgte Impfungen nicht digital zertifiziert

Dennoch wird ein immenses Problem offenbar: Das nachträgliche Ausstellen der Zertifikate verursacht einen enormen Aufwand, ist anfällig für Fälschungen und verursacht für den Steuerzahler hohe Kosten. Hintergrund ist, dass bis dato mehr als 56 Mio. Impfdosen verspritzt wurden – ein digitales Impfzertifikat gab es für die Erfassung bislang nicht. Dass Ärzte und Apotheker die Impfungen nun nachträglich bestätigen müssen, wird nun aufwendig und teuer. Je nach Fall beträgt die Vergütung für die nachträgliche Erfassung zwischen 2 und 18 Euro pro Impfung. Dafür prüfen die Ärzte oder Apotheker den vorhandenen Impfnachweis (Impfpass) und die Identität der Person, um dann die Impfung auch elektronisch bestätigen zu können.

Wie hoch die Kosten für das nachträgliche Erfassen und Ausstellen des digitalen Impfzertifikats am Ende ausfallen werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab: So ist etwa entscheidend, ob das Zertifikat vom gleichen Arzt ausgestellt wird, der auch geimpft hat – dann ist es günstiger. Im anderen Fall drohen noch mehr Kosten. Entscheidend für die Gesamtkosten wird auch sein, wie viele Menschen sich ihre Impfung tatsächlich nachträglich digital zertifizieren lassen. Da der digitale Corona-Impfpass handfeste Erleichterungen mit sich bringt, ist davon auszugehen, dass das Angebot rege genutzt werden wird. So könnten die zusätzlichen Kosten, die der Steuerzahler für das nachträgliche Erfassen zu tragen hat, in die Milliarden gehen.

BdSt-Fazit: Digital-Rückstand rächt sich bitterlich

Skandalös ist, dass die nachträgliche Bestätigung der Corona-Impfungen überhaupt zum Thema werden musste. Das Verfahren ist anfällig für Fälschungen, da nicht auszuschließen ist, dass auch gefälschte Impfausweise vorgelegt werden. Zudem verursacht die nachträgliche Prüfung für alle Beteiligten einen hohen Aufwand und vermeidbare Kosten für den Steuerzahler. Das wäre zu vermeiden gewesen, wenn die bereits durchgeführten Impfungen sofort auch elektronisch erfasst worden wären. Dann wäre jetzt ein Übertrag in das digitale Impfzertifikat kein großer Akt. Hier hat die Bundesregierung wertvolle Zeit verstreichen lassen, um die Voraussetzungen rechtzeitig zu schaffen. Es zeigt sich wieder: Der Digital-Rückstand des öffentlichen Gesundheitssystems in Deutschland rächt sich in der Pandemie bitterlich.

Fragen an den Autor

Philipp Behm
Leiter der Abteilung Recherche

Philipp Behm

Reinhardtstraße 52, 10117 Berlin 030 259396-15 p.behm(at)steuerzahler.de
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