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Freibad: Kein Schadenersatz wegen zu lauter Heizungsanlage

26.10.2021

Die Stadt Bad Soden am Taunus hat wegen einer behaupteten zu lauten Beheizungsanlage für das städtische Freibad keinen Anspruch auf Schadenersatz gegen die mit der Planung beauftragte Firma. Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt a. M. stellte hierzu klar, dass die Planer die Emissionsschutzwerte des reinen Wohngebiets nicht berücksichtigten mussten, weil die Stadt, die die Unterlagen für die Planung zur Verfügung gestellt hatte, nicht auf das benachbarte reine Wohngebiet hingewiesen hatte.

Die Stadt Bad Soden unterhält ein Freibad, das saniert werden sollte. In diesem Zusammenhang beauftragte sie die Beklagte mit der Fachplanung für den Schwimmbadwasserheizer. Die Planung sollte auf der Grundlage der von der Stadt der Beklagten überlassenen Unterlagen und Pläne erfolgen. Eine Grundlagenplanung war nicht beauftragt worden. Das Freibad liegt im unbeplanten Bereich und grenzt an ein reines Wohngebiet. Hierauf hatte die Stadt die Beklagte nicht hingewiesen.

Die Stadt ist der Ansicht, die geplante Abgasanlage zur Beheizung des Freibads sei zu laut. Sie überschreite die für das angrenzende reine Wohngebiet zulässigen Emissionsschutzwerte. Die Beklagte hätte bei der Planung die örtlichen Erfordernisse des Schallschutzes berücksichtigen müssen. Deswegen klagte sie auf Schadenersatz – allerdings ohne Erfolg.

Die erbrachte Leistung sei nicht mangelhaft, so das OLG. Es liege kein Planungsfehler vor. Die vertraglichen Vereinbarungen verpflichteten die Beklagte nicht, die Lärmemissionen der Anlage im Hinblick auf die umgebende Bebauung zu beachten. Die Beklagte sei vielmehr ausdrücklich nicht mit der Ermittlung der Planungsgrundlagen beauftragt worden. Da die Stadt sie auch nicht, obwohl dies unschwer möglich gewesen wäre, über die Lage des Schwimmbades und die planungsrechtliche Problematik informiert hatte, habe sie auch nicht erkennen können, dass ihr Vorgaben für eine funktionsfähige Planungsleistung fehlten.

Allein aus der im Vertrag enthaltenen Generalklausel, die öffentlich-rechtlichen Vorschriften zu beachten, ergebe sich keine Planungsverpflichtung hinsichtlich der Lärmauswirkungen. Die schwierigen rechtlichen Fragen, welchen bauplanungsrechtlichen Charakter die Nachbarbebauung hat, welche Lärmgrenzwerte für das Schwimmbad als Sportbad oder als Freizeitbad gelten und wie sich der Bestandsschutz des alten, sanierten Schwimmbades auswirkt, seien für einen Planer der technischen Gebäudeausrüstung (hier die Beklagte) nicht ohne Weiteres einzuschätzen, hebt das OLG vielmehr hervor.

Zudem habe die Stadt nicht konkret vorgetragen, dass überhaupt die zulässigen Grenzwerte überschritten würden. Ein Freibad sei hinsichtlich der damit verbundenen Lärmentwicklung privilegiert, wenn es den Charakter einer Sportanlage habe. Nachbarn hätten deshalb nur sehr eingeschränkt einen öffentlich-rechtlichen Anspruch auf immissionsschutzrechtliches Einschreiten gegen ein Freibad, so das OLG. Entscheidend sei nicht nur die Lage in einem allgemeinen oder reinen Wohngebiet, sondern auch die bestehende Genehmigungslage und die zeitliche Abfolge. Hier handele es sich um Sportbad, da das Bad von seiner Beschaffenheit her dem Breitensport oder dem Wettkampfsport diene. Die Beklagte hätte damit jedenfalls nicht die strengen Lärmschutzanforderungen einhalten müssen, die die Stadt ihrer Planung nun nachträglich abverlange.

Schließlich sei der Stadt auch kein ersatzfähiger Schaden entstanden. Die geltend gemachten Mehrkosten für eine Einhausung der Heizungsanlage und des Abgasrohres nebst Einbau eines Schalldämpfers wären genauso angefallen, wenn diese Konstruktion von Anfang geplant worden wäre.

Oberlandesgericht Frankfurt am Main, Urteil vom 12.07.2021, 29 U 234/19

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