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Steuerzahlergedenktag 2020

Ab jetzt arbeiten wir in die eigene Tasche

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In diesem Jahr fällt der Steuerzahlergedenktag auf den 09. Juli. Er liegt damit sechs Tage früher als im Vorjahr. Denn die Belastung der Einkommen mit Steuern und Abgaben ist in diesem Jahr mit 52,1 Prozent rund 1,6 Prozentpunkte niedriger als im Jahr 2019.

Doch dieser Rückgang ist nur auf den ersten Blick eine gute Nachricht. Hauptgrund für die etwas gesunkene Belastung sind die Folgen der Corona-Krise. Durch den Lockdown wird das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um mehr als neun Prozent schrumpfen. Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit und Millionen von Kurzarbeitern führen dazu, dass das durchschnittliche Haushaltserwerbseinkommen in diesem Jahr niedriger ausfallen wird als im Vorjahr. Damit sinken auch die durchschnittlichen Einkommensteuerlasten.

Außerdem wirkt sich die Krise auf das Konsumverhalten der Bürger aus. Ein Rückgang der Konsumausgaben um 8,5 Prozent ist derzeit zu erwarten. Gleichzeitig sinken im zweiten Halbjahr 2020 die Umsatzsteuersätze im Zuge des Konjunkturpakets der Bundesregierung. Diese und weitere Sondereffekte haben wir in unserer Prognose des Steuerzahlergedenktags 2020 berücksichtigt.

Die rückläufige Belastungsquote beruht also vor allem auf unfreiwilligen Rückgängen bei Beschäftigung, Einkommen und Konsum. Zwei Effekte dämpfen die Belastungsquote jedoch zusätzlich. Und diese beiden Effekte sind zu begrüßen.

Erstens ist der Beitragssatz in der Arbeitslosenversicherung in diesem Jahr etwas geringer als im Vorjahr. Zweitens ist im Einkommensteuertarif 2020 erneut die Inflation zugunsten der Steuerzahler berücksichtigt und damit die kalte Progression gedämpft worden. Für beide Reformmaßnahmen hatte sich der BdSt intensiv eingesetzt.

Auch der jahrelange Einsatz des BdSt und seines Instituts für die Schuldenbremse hat sich gelohnt. Dadurch konnten die deutschen Staatsfinanzen gesunden. 2019 lag die Schuldenquote erstmals seit 2002 wieder unter der Maastricht-Marke von 60 Prozent. Das ermöglicht jetzt die kreditfinanzierten Hilfspakete inmitten der Corona-Krise.

Doch das schafft nun neue Aufgaben für den BdSt. Wir drängen darauf, dass die Regierungen in Corona-Zeiten nicht nur den scheinbar einfachen Weg einer massiven Neuverschuldung beschreiten. Stattdessen müssen parallel auch alle Sparpotenziale in den Verwaltungen ausgeschöpft werden.

Und nach der Krise müssen wir verhindern, dass zum Schuldenabbau der scheinbar einfache Weg von Steuererhöhungen gewählt wird. Als BdSt setzen wir auf eine schnelle Rückkehr des Wirtschaftswachstums. Dann wächst auch wieder die Besteuerungsbasis, sodass die Schuldenquote auf diese Weise sinken kann.

Doch Vermögensabgaben, eine Beibehaltung des Solidaritätszuschlags oder EU-Steuern würden genau diese Rückkehr des Wirtschaftswachstums verhindern. Und dann würde die Belastungsquote der Bürger in den kommenden Jahren wieder empfindlich steigen.

So prognostizieren wir den Steuerzahlergedenktag

Für die Prognosen der Belastungsquoten verwenden wir detaillierte Daten aus Haushaltsbefragungen des Statistischen Bundesamts. Für die diesjährige Prognose haben wir uns auf die „Einkommens- und Verbrauchsstichprobe“ (EVS) 2018 gestützt, um den Steuerzahlergedenktag 2020 zu prognostizieren.

Die EVS ist eine Haushaltsumfrage des Statistischen Bundesamts, die alle fünf Jahre erstellt wird. Hierbei erhebt das Statistische Bundesamt anonymisiert die Einnahmen und Ausgaben ausgewählter Privathaushalte, die dafür monatelang ein detailliertes Haushaltsbuch führen. Die amtlichen Hochrechnungen dieser Daten liefern ein umfassendes und repräsentatives Bild der wirtschaftlichen Situation der Bürger. Da diese Auswertungen zeitintensiv sind, beziehen sich die jüngsten Daten auf das Jahr 2018. Damit ist es uns möglich, mit Hilfe einer soliden Datengrundlage den Steuerzahlergedenktag 2020 zu prognostizieren.

Allerdings liegt es auf der Hand, dass die aktuelle Corona-Krise die diesjährige Prognose besonders schwierig macht. Das betrifft sowohl die Einkommenssituation der Haushalte als auch das Ausgabeverhalten im Zuge der Corona-Pandemie. Zudem waren insbesondere die Beschlüsse des Konjunkturpakets der Bundesregierung zu berücksichtigen.

Durchschnitts-Haushalt

Die rund 22,6 Millionen Arbeitnehmerhaushalte (Arbeiter, Angestellte und Beamte) in Deutschland bestehen im Durchschnitt aus 2,2 Personen. Sie setzen sich aus diversen Haushaltskonstellationen zusammen; von Single-Haushalten über Alleinerziehende und kinderlose Paare bis hin zu verschieden großen Familien. Zudem sind diese Haushalte unterschiedlich stark in Teil- und Vollzeitbeschäftigungen tätig. Gemittelt über alle auftretenden Haushalts- und Erwerbskonstellationen bezieht dieser 2,2-Personen-Durchschnittshaushalt in diesem Jahr ein Monatsbruttogehalt von 4.750 Euro. Hinzu kommen geringfügige Einkommen aus selbstständiger (Neben-)Tätigkeit sowie aus Vermögen wie Kapital- und Mieterträgen (insgesamt rund 142 Euro pro Monat).

Außerdem sind 1.006 Euro als Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung zu berücksichtigen, die der durchschnittliche Haushalt in diesem Jahr monatlich erarbeitet. Das Gesamteinkommen des repräsentativen Haushalts beträgt somit in diesem Jahr 5.898 Euro pro Monat.

Davon fließen 754 Euro als Einkommensteuern und Solidaritätszuschlag sowie insgesamt 1.821 Euro als Sozialversicherungsbeträge an den Staat. Diese Schätzungen basieren auf dem geltenden Einkommensteuertarif 2020 und den Arbeitnehmer-Sozialversicherungsbeitragsätzen unter Berücksichtigung der verschiedenen Haushaltskonstellationen. Für die Schätzung des Arbeitgeber-Sozialversicherungsbeitrags wurden aktuelle Prognosen des DIW verwendet.

Die „Einkommens- und Verbrauchsstichprobe“ des Statistischen Bundesamts liefert auch repräsentative Daten zum Konsumverhalten der Privathaushalte. Dadurch konnte das DSi Prognosen zur Belastung mit indirekten Steuern und Quasi-Steuern (Stromumlagen und Rundfunkbeitrag) für das laufende Jahr erstellen.

Insgesamt prognostizieren wir für das laufende Jahr, dass ein durchschnittlicher Arbeitnehmerhaushalt indirekte Steuern in Höhe von monatlich rund 499 Euro zahlt.

Zusammen mit den direkten Steuerlasten (754 Euro) und den Sozialversicherungsbeiträgen (1.821 Euro) beträgt die monatliche Gesamtlast demnach 3.074 Euro. Diese Summe wird aus einem Gesamteinkommen von 5.898 Euro bezahlt. Die Einkommensbelastungsquote 2020 beträgt somit voraussichtlich 52,1 Prozent. Rechnerisch bedeutet das, dass dieser Durchschnittshaushalte die ersten 190 der 366 Tage des Jahres 2020 für öffentliche Kassen arbeitet. Damit fällt der Steuerzahlergedenktag in diesem Jahr auf den 09. Juli.

Dank der Sonderauswertungen der Haushaltsdaten, die das Statistische Bundesamt für das DSi vorgenommen hat, lässt sich diese Durchschnittsquote noch in zwei Untergruppen unterteilen.

Single-Haushalt

Ein alleinlebender Arbeitnehmer erarbeitet in diesem Jahr voraussichtlich ein Monatseinkommen von durchschnittlich 3.865 Euro. Davon werden 828 Euro für direkte und indirekte Steuern sowie 1.210 Euro für Sozialabgaben fällig. Seine Belastungsquote 2020 beträgt somit 52,7 Prozent. Bis zum 12. Juli 2020 arbeitet er also für öffentliche Kassen.

Mehr-Personen-Haushalt

Alle Nicht-Single-Haushalte, also insbesondere Alleinerziehende sowie Paare ohne und mit Kindern, verfügen im Durchschnitt aller Haushaltskonstellationen in diesem Jahr voraussichtlich über ein Monatseinkommen von 6.965 Euro. Davon werden 1.462 Euro für direkte und indirekte Steuern sowie 2.140 Euro für Sozialabgaben fällig. Die Belastungsquote 2020 des durchschnittlichen Mehr-Personen-Haushalts beträgt mithin 51,7 Prozent. Bis einschließlich dem 08. Juli 2020 arbeiten diese Haushaltsmitglieder rechnerisch für den Staat.

Hier finden Sie die Berechnungen zum Steuerzahlergedenktag zum Downlad als pdf.