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Radflow-Anlage in Hamburg: Flop-Versuch mit Schwarzbuch-Potenzial
Gleich zwei Berichte des Hamburger Abendblatts über neue LED-Anzeigen für Radfahrer an der Rothenbaumchaussee werfen Fragen auf.
Die sogenannten „Radflow“-Anlagen wurden dort in Fahrtrichtung Dammtor kurz vor den Kreuzungen Innocentiastraße und Oberstraße installiert. Die Tafeln zeigen per rotem oder grünem Licht an, ob Radfahrer bei einer Geschwindigkeit von etwa 17 km/h die nächste Ampel noch bei Grün erreichen können.
Die Anlagen sind Teil des Pilotprojekts „AMRA“ (Ampelprognose Radverkehr), mit dem die Verkehrsbehörde den Verkehrsfluss für Radfahrer verbessern will.
Dazu erklärt Sascha Mummenhoff, Landesvorsitzender des Bund der Steuerzahler Hamburg:
„Senator Tjarks hebt das Radfahren in Hamburg auf ein neues Level. Das begrüßen wir ausdrücklich. Allerdings zeigt das Radflow-Projekt, dass seine Behörde dabei die Bodenhaftung zu verlieren droht. Die sogenannten Radflow-Anlagen wirken wie eine Lösung auf der Suche nach einem Problem. Radfahrer sehen selbst, wann eine Ampel umspringt. Dafür braucht es keine zusätzliche Anzeige, die nebenbei bemerkt alles andere als selbsterklärend ist.
Hinzu kommt die Kostenfrage: Die von der Behörde genannten 22.400 Euro werden lediglich netto ausgewiesen und bilden offenbar nur einen Teil der Projektkosten ab. Weitere Projektbestandteile sowie laufende Betriebskosten werden bislang nicht konkret beziffert. Ein vollständiges Kostenbild bleibt damit bislang aus. Für den Steuerzahler zählt am Ende jedoch der Bruttobetrag.
Auffällig ist zudem, dass das Projekt bislang offenbar ausschließlich über einen LinkedIn-Beitrag kommuniziert wurde. Das passt nicht zu einer Maßnahme, von deren Nutzen man wirklich überzeugt ist.
Der Verweis auf teure Ampelanlagen seitens des ADFC und der Behörde geht völlig am Kern vorbei. Hier wird wieder Auto gegen Rad ausgespielt, um die eigenen Kosten kleinzurechnen. Eine Ampel ist notwendige Verkehrsinfrastruktur, die Sicherheit für Auto- und Fahrradfahrer gewährleistet. Die Radflow-Anlagen sind dagegen nur ein Zusatzangebot. Beides miteinander zu vergleichen, ist schlicht unredlich. Entscheidend ist nicht, ob etwas günstiger ist als ein anderes Projekt, sondern ob es überhaupt einen echten Mehrwert bringt. Und genau daran bestehen hier erhebliche Zweifel.
Mit dem eingesetzten Geld hätte man an anderer Stelle deutlich mehr erreichen können - etwa bei der Sicherheit von Kindern durch kostenlose Fahrradhelme.
Wir sind gespannt, was dieser Flop-Versuch den Steuerzahler tatsächlich gekostet hat - oder noch kosten wird. Dabei spielt es keine Rolle, ob Bundes- oder Landesmittel: Es ist Steuergeld. Schon jetzt hat Radflow das Potenzial, es ins neue Schwarzbuch zu schaffen.“
Weitere Informationen:
Hamburger Abendblatt
15. April 2026
https://www.abendblatt.de/hamburg/eimsbuettel/article411710981/verkehr-hamburg-steuerzahlerbund-kritisiert-led-tafeln-fuer-radfahrer-als-flop-versuch.html
Übrigens: Ein Blick nach Berlin zeigt, dass vergleichbare Anlagen deutlich günstiger zu haben sind. Dort kostet eine Anzeige rund 3.000 Euro.
Vor diesem Hintergrund wirken die Hamburger Kosten umso weniger plausibel.
In Berlin hat es ein vergleichbares Projekt mit "VeloFlow" bereits ins Online-Schwarzbuch geschafft.