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Viele Fehler und Versäumnisse

Newsticker Nordrhein-Westfalen 04.12.2019, Janine Bergendahl

Der Grand Départ der Tour de France im Jahr 2017 war für Düsseldorf eine teure Image-Pflege. Ausgaben von 15,9 Millionen Euro standen Einnahmen von rund acht Millionen Euro gegenüber. In der Kritik steht seitdem OB Geisel, der seinen Alleingang und die Finanzierung durch Stadttöchter nach wie vor verteidigt: „Es war sehr gut investiertes Geld.“ Einer, der das anders sieht, ist der Journalist Ralf Meutgens.

Er kritisiert die Vorgehensweise öffentlich und hat erfolgreich auf Offenlegung des Vertrags zwischen der Stadt Düsseldorf und dem Tour­­­‑de­‑France­‑Veranstalter A.S.O. geklagt. BdSt-Redakteurin Janine Bergendahl befragte den Radsport-Experten zu seiner Meinung.

Was waren aus Ihrer Sicht die größten Fehler? Welche Rolle spielt dabei OB Geisel? 
Der größte Fehler war meiner Meinung nach, dass man anscheinend dem Irrglauben verfallen war, man könnte mit einer schwarzen Null oder sogar mit einem Gewinn aus dieser Veranstaltung herausgehen. Bis heute hat man nach meinem Kenntnisstand einen möglichen Benefit für die Stadt Düsseldorf im Bereich Tourismus zahlenmäßig nicht benennen können. Herr Geisel sprach im Vorfeld von „einem wahnsinnigen Effekt auf das Stadtmarketing“. Im Gegenteil läuft in diesem Bereich noch ein Prüfverfahren durch den Landesrechnungshof. Für die Zuwendung von 100.000 Euro fehlten möglicherweise die Voraussetzungen. Viele Fehler und Versäumnisse sind im Bericht des Rechnungsprüfungsamtes der Stadt Düsseldorf deutlich benannt. Zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung gab es noch keinen Finanzplan. Der Rat der Stadt Düsseldorf hatte lediglich die Bewerbung abgesegnet. Für all das trägt Herr Geisel durch seine Unterschrift im Vertrag mit der A.S.O., dem Veranstalter der Tour de France, meines Erachtens die Verantwortung. 

Sie nennen den Vertrag der A.S.O. einen Knebelvertrag. Was meinen Sie damit? 
Jede erdenkliche Maßnahme, die durch die Stadt Düsseldorf geleistet werden musste, wurde explizit aufgeführt. Es wurde zudem offenbar französisches Recht vereinbart. Auf französischer Seite behielt man sich das Recht vor, jede Partnerschaftsvereinbarung mit Medien auszuschließen. Der Rücktritt vom Vertrag, falls es nicht zu einer Fernsehübertragung gekommen wäre, war möglich. Aber die bis dahin gezahlten Beträge mussten von der A.S.O. nicht zurückgezahlt werden. Man hätte ja auch eine teilweise Rückzahlung der fünf Millionen Euro an Lizenzgebühren durch die A.S.O. vereinbaren können, wenn es nicht zu der viel gepriesenen Akzeptanz bei Sponsoren kommt. In Düsseldorf fehlte die ja fast völlig. Die Sponsoren waren städtische Tochterunternehmen, die bereits im Vertrag mit der A.S.O. namentlich genannt sind. Die Messe Düsseldorf wird darin als „wichtigster Partner“ beschrieben. Hier ist Herr Geisel Vorsitzender des Aufsichtsrates. Da drängen sich Fragen förmlich auf. Jedenfalls darf es nicht sein, dass der deutsche Steuerzahler das finanzielle Risiko trägt, damit ein ausländisches Unternehmen Gewinne maximiert.

Wie bewerten Sie den Einsatz der beratenden Radsport-Agentur? 
Radsportspezifisches Know How ist für eine solche Veranstaltung unabdingbar. Inwieweit die im Fall Düsseldorf vorlag, kann ich nicht beurteilen. Die Ausrichtung der zweiten Etappe wurde nach dem Bericht des Rechnungsprüfungsamtes rund zwei Millionen Euro teurer als vorher geplant. Und zwar durch den Bereich „Technik“. Das Race am Rhein, das von dieser Agentur verantwortet wurde, war am Ende mit annähernd 400.000 Euro fast vier Mal so teuer wie vorher konzipiert. Da sind zum einen Fragen nach der radsportspezifischen Expertise angebracht. Zum anderen aber auch, wie der Vertrag mit der Radsport-Agentur zustande kam, wer ihn auf Düsseldorfer Seite unterschrieben hat und ob die Leistungen der Radsport-Agentur überhaupt öffentlich ausgeschrieben worden sind. 

Raten Sie Städten generell von der Ausrichtung des Tour-de-France-Starts ab, oder liegt der Fall bei Düsseldorf anders? 
Ein generelles Abraten wäre vielleicht zu hart formuliert. Und es geht um große Sportevents jeglicher Art. Brasilien zum Beispiel wurde durch die Fußball-WM und die Olympischen Spiele wirtschaftlich ruiniert und vermutlich auch politisch destabilisiert. Aber FIFA und IOC als Rechteinhaber haben gleichzeitig Milliarden, speziell mit Fernsehrechten, verdient. Wenn man dann sieht, dass man mit dem Geld für zwei Tage Radspektakel in Düsseldorf offenbar locker das geplante Hallenbad hätte bauen können, dann kann man von einem derartigen Sport­event nur abraten. Auch im Sinne der Volksgesundheit.

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