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Steuerbegünstigter Verkauf einer Kanzlei

Bund der Steuerzahler Nordrhein Westfalen e. V. / Newsticker Nordrhein-Westfalen / Meldungen 26.04.2020, Hans-Ulrich Liebern

Unter welchen Bedingungen ist die Veräußerung einer Kanzlei steuerlich begünstigt, wenn der Verkäufer danach weiter dort mitarbeitet? Der Bundesfinanzhof hat dazu einen Beschluss gefasst.

Die steuerlich begünstigte Veräußerung einer freiberuflichen Praxis setzt voraus, dass die wesentlichen vermögensmäßigen Grundlagen der bisherigen Tätigkeit entgeltlich und definitiv auf einen anderen übertragen werden. Dazu muss der Veräußerer seine freiberufliche Tätigkeit in seinem bisherigen Wirkungskreis zumindest für eine gewisse Zeit einstellen. Eine starre zeitliche Grenze, nach der die Tätigkeit steuerunschädlich wieder aufgenommen werden darf, gibt es nicht, so der Bundesfinanzhof in einer neuen Entscheidung. Unschädlich ist es im Grundsatz, wenn der Veräußerer nachfolgend als Arbeitnehmer oder freier Mitarbeiter des Erwerbers tätig wird oder wenn er seine freiberufliche Tätigkeit in geringfügigem Maße fortführt, selbst wenn dies die Betreuung neuer Mandate umfasst.
In der Entscheidung ging es um einen Steuerberater, der die von ihm betriebene Kanzlei je zur Hälfte an einen Rechtsanwalt und einen Steuerberater veräußerte. Später war er für die von ihm gemeinsam mit den Erwerbern gegründete Partnerschaftsgesellschaft als freier Mitarbeiter tätig.
Im Rahmen seiner Einkommensteuererklärung war zu prüfen, ob der Gewinn aus der Veräußerung der Kanzlei nach Paragraf 34 Einkommensteuergesetz begünstigt besteuert wird. Das Finanzamt lehnte dies im Ergebnis ab. Die Klage des Steuerberaters gegen den entsprechenden Einkommensteueränderungsbescheid war erfolgreich. Die dagegen gerichtete Beschwerde des Finanzamtes wies der Bundesfinanzhof als unbegründet zurück.
Für die Gewährung der Tarifermäßigung ist es nicht zwingend erforderlich, bis zur Wiederaufnahme der Tätigkeit eine Wartezeit von mindestens drei Jahren einzuhalten. Je nach Umständen des Einzelfalls könne ein Zeitraum von etwa zwei bis drei Jahren ausreichend sein.
Die Entscheidung betrifft zwar explizit die Veräußerung einer Steuerberaterkanzlei. Die Aussagen des Bundesfinanzhofs sind jedoch auf Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte übertragbar. Soweit der Bundesfinanzhof eine freie Mitarbeit des Veräußerers in seiner früheren Kanzlei für unschädlich hält, stellt er sich gegen die Auffassung des Bundesministeriums der Finanzen. 

Bundesfinanzhof
Beschluss vom 11. Februar 2020
Az. VIII B 131/19

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