„Richtig heftig!“
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Podcast statt Energieversorgung?
Ein Podcast eines städtischen Unternehmens sorgt in Hamburg für politischen Streit. Wie das Hamburger Abendblatt berichtet, lassen die Hamburger Energiewerke (HEnW) das Format "Hamburg, watt nu?" von der Agentur Gute Leude Fabrik produzieren, die von Lars Meier geführt wird.
Kritik kommt von CDU und Bund der Steuerzahler: Weder zu den Kosten noch zur Reichweite des Podcasts gibt es konkrete Angaben. Der Senat verweist auf Geschäftsgeheimnisse, belastbare Nutzungszahlen liegen offenbar bislang nicht vor.
Vor diesem Hintergrund stellt sich eine zentrale Frage: Ist ein solcher Podcast überhaupt Aufgabe eines städtischen Energieversorgers?
BdSt kritisiert Kommunikationsstrategie der Hamburger Energiewerke
Die Hamburger Energiewerke betreiben laut Hamburger Abendblatt seit November 2025 den Podcast "Hamburg, watt nu?".
Inzwischen sind zehn Folgen erschienen, die aktiv beworben werden. Produziert wird das Format von der Agentur Gute Leude Fabrik um Lars Meier. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich dabei ausdrücklich um eine Maßnahme zur Imagebildung und Kundenakquise.
Der Bund der Steuerzahler Hamburg sieht diese Entwicklung kritisch und fordert mehr Transparenz über Kosten und Nutzen des Formats.
"Die Hamburger Energiewerke verweigern Auskunft über die Kosten ihres Podcasts mit Verweis auf Geschäftsgeheimnisse. Gleichzeitig räumt das Unternehmen ein, dass bislang noch gar keine Auswertungen zur Reichweite vorliegen. Damit bleibt völlig unklar, wie viel Geld in dieses Format fließt und welchen messbaren Nutzen es überhaupt hat", erklärt Sascha Mummenhoff, Landesvorsitzender des Bund der Steuerzahler Hamburg e.V.
Auch die Inhalte des Podcasts werfen aus Sicht des Steuerzahlerbundes Fragen auf. In mehreren Folgen geht es unter anderem um Themen wie Gleichstellung in der Arbeitswelt, das Älterwerden in Hamburg, Nachhaltigkeit im Sport oder kulturelle Konsumdebatten.
"Ein städtischer Energieversorger sollte Energie liefern - nicht gesellschaftspolitische Podcasts produzieren. Das mögen interessante Diskussionen sein. Doch es ist zumindest erklärungsbedürftig, welchen Beitrag solche Themen dazu leisten sollen, neue Strom- oder Gaskunden für ein Energieunternehmen zu gewinnen", so Mummenhoff.
Gerade ein vollständig städtisches Unternehmen müsse sich fragen lassen, ob solche Kommunikationsformate tatsächlich Priorität haben sollten. Die Hamburger Energiewerke stehen schließlich vor großen Aufgaben: Wärmewende, Dekarbonisierung der Fernwärme und massive Investitionen in Energieinfrastruktur.
Der Bund der Steuerzahler sieht darin auch ein grundsätzliches Problem bei städtischen Unternehmen in Hamburg. In den vergangenen Jahren habe es mehrere gravierende Beispiele gegeben, bei denen Transparenz, Kostenkontrolle und Prioritätensetzung nicht funktioniert hätten. Hier nur zwei Beispiele:
Beim Klärschlammprojekt VERA II von Hamburg Wasser stiegen die Kosten von ursprünglich rund 200 Millionen auf inzwischen über 327 Millionen Euro - begleitet von Projektchaos und mangelhafter Kontrolle. Auch bei den Hamburger Energienetzen sorgten zuletzt Bauprojekte für Kritik: Ein repräsentativer Eingangspavillon verteuerte sich von geplanten 2,6 Millionen auf über 4,3 Millionen Euro, weitere Gebäude wurden ebenfalls deutlich teurer.
"Vielleicht ist der Podcast der Energiewerke tatsächlich eine sinnvolle Marketingmaßnahme. Doch dann müssen auch die Fakten auf den Tisch: Kosten, Reichweite und Nutzen. Gerade bei einem städtischen Unternehmen sollte Transparenz selbstverständlich sein", betont Mummenhoff. "Leider lehrt die Vergangenheit in Hamburg, dass Schweigen bei öffentlichen Unternehmen selten ein gutes Zeichen für die Steuerzahler ist."
Zum vollständigen Artikel im Hamburger Abendblatt:
www.abendblatt.de/hamburg/politik/article411548923/steuerzahlerbund-attackiert-hamburger-energiewerke-wegen-eines-podcasts.html