Klage ist raus: gegen Straßenbaubeiträge in Wuppertal
Steuerschätzung: Wir haben ein Strukturproblem
Kommt der HVV-Zugang bald per Fingerabdruck?
Hamburgs Verkehrssenator Dr. Anjes Tjarks (Grüne) spricht im BdSt-Clubgespräch über Digitalisierung, Brückenchaos und Deutschlands Infrastrukturproblem.
Einsteigen, Finger scannen, losfahren: So könnte der Zugang zum Hamburger Nahverkehr eines Tages aussehen. Keine Papierfahrkarten, kein Kleingeld, kein Tarifdschungel. Stattdessen ein vollständig digitaler HVV, bei dem die Zahlungsquelle direkt hinterlegt ist.
Diese Vision skizzierte Hamburgs Verkehrssenator Dr. Anjes Tjarks (Grüne) bei den Clubgesprächen des Bund der Steuerzahler Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern e.V. Die Veranstaltung ist jetzt als Sonderfolge des Podcasts „Die Steuerklärer“ auf allen gängigen Plattformen zu hören.
Nach Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) war mit Tjarks bereits der zweite Senator zu Gast in dem neuen Gesprächsformat. Hier haben BdSt-Mitglieder die Chance, mit Politikern direkt ins Gespräch zu kommen und Fragen zu stellen. Fast zwei Stunden sprach der Verkehrssenator über Baustellen, Bürokratieabbau, marode Infrastruktur, autonomes Fahren und die Zukunft des HVV.
Besonders konkret wurde Tjarks beim Thema bargeldloses Bezahlen im Bus. Die Abschaffung des Bargeldverkaufs verteidigte er zwar grundsätzlich, räumte aber zugleich erhebliche Probleme bei der Umsetzung ein: „Es ist schlecht umgesetzt worden.“
Der Zugang zum Nahverkehr müsse deutlich einfacher werden, etwa über EC-Karten oder digitale Bezahlsysteme. Dann fiel der Satz, der besonders aufhorchen ließ: „Meinetwegen können Sie sogar mit Fingerabdruck bezahlen“, sagte Tjarks. Entscheidend sei allein, dass das biometrische Merkmal mit einer Zahlungsquelle verbunden werde.
Der Hintergrund: Bargeld im Bus verursacht Aufwand, Kosten und Bürokratie. Fahrer müssen vor und nach der Schicht abrechnen, obwohl nur noch ein kleiner Teil der Einnahmen überhaupt bar bezahlt wird. Für Tjarks ein Beispiel dafür, wie veraltete Prozesse den Alltag komplizierter und teurer machen als nötig.
Deutlich wurde der Senator auch beim Zustand der deutschen Infrastruktur. Wörtlich sagte Tjarks: „Unsere Infrastruktur ist in Teilen der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt nicht mehr würdig.“
Bis 2040 brauche Hamburg insgesamt 13 neue Elbbrücken. Besonders kritisch sei die Situation bei der A1-Norderelbbrücke: „Wenn die ausfällt, haben wir ein richtiges Thema.“
Auch über den Hauptbahnhof, digitale Parkraumkontrollen, papierfreie Parkausweise, Künstliche Intelligenz in der Verwaltung und autonomes Fahren sprach Tjarks ausführlich. Sein Fazit: „Wir müssen nicht weniger, wir müssen mehr bauen.“ Gleichzeitig müsse Deutschland Infrastruktur künftig deutlich schneller planen und umsetzen.
Die Sonderfolge zeigt zugleich, warum die neuen BdSt-Clubgespräche mehr sein sollen als klassische Podiumstermine. Im Mittelpunkt steht kein vorbereiteter Schlagabtausch, sondern Kommunikation auf Augenhöhe auch bei kontroversen Themen. Oder wie BdSt-Landesvorsitzender Sascha Mummenhoff zur Begrüßung sagte: Es gehe „um Information und Austausch, nicht um Konfrontation“.
Wegen der außergewöhnlichen Länge der Veranstaltung hat der Bund der Steuerzahler die Aufzeichnung in zwei Podcast-Folgen aufgeteilt. Im jetzt veröffentlichten ersten Teil skizziert Tjarks die Grundlinien seiner Verkehrspolitik. Im zweiten Teil, der in Kürze erscheint, stehen die Fragen der Zuschauer im Mittelpunkt.
Der BdSt-Podcast „Die Steuerklärer“ ist auf allen gängigen Plattformen wie Spotify, Apple Podcasts und Amazon Music verfügbar.
Podcast-Link:
https://anchor.fm/bdst-hh